"Vom Umtausch ausgeschlossen" – online gilt das für deutlich weniger Produkte, als viele Shops behaupten. Das 14-tägige Widerrufsrecht entfällt nur bei den Ausnahmen, die § 312g Abs. 2 BGB abschließend aufzählt: etwa Maßanfertigungen, schnell verderbliche Ware, entsiegelte Hygieneartikel oder ausgepackte Software. Unterwäsche, Badebekleidung oder Matratzen sind dagegen nicht pauschal ausgeschlossen.
Vom Umtausch ausgeschlossen oder vom Widerruf? Der Unterschied
Zuerst ein wichtiger Punkt zur Begrifflichkeit: Einen gesetzlichen Anspruch auf "Umtausch" gibt es weder im Laden noch online. Was umgangssprachlich "Umtausch" heißt, ist beim Online-Kauf das Widerrufsrecht nach § 312g Abs. 1 BGB – du gibst die Ware zurück und bekommst dein Geld erstattet, ohne Gründe nennen zu müssen.
Dieses Widerrufsrecht ist die Regel. Die Ausnahmen stehen abschließend in § 312g Abs. 2 BGB. Ein Shop kann also nicht beliebig Produkte für "vom Umtausch ausgeschlossen" erklären – er kann sich nur auf die gesetzlichen Ausnahmen berufen. Steht in den AGB mehr, ist das unwirksam. Welche Fristen regulär gelten, liest du im Überblick zu Widerrufs- und Rückgabefristen.
Diese Produkte sind laut § 312g Abs. 2 BGB wirklich ausgeschlossen
Die praxisrelevantesten Ausnahmen im Überblick:
Maßanfertigungen und personalisierte Ware (Nr. 1): Waren, die nach deinen Vorgaben angefertigt oder eindeutig auf deine persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind – der gravierte Ring, das Fotobuch, der Maßanzug, das zugeschnittene Sofa nach Wunschmaß. Laut IT-Recht Kanzlei greift die Ausnahme aber nur, wenn der Händler die Ware nicht ohne Weiteres anderweitig verkaufen kann; eine Standard-Konfiguration aus vorgegebenen Optionen reicht dafür nicht immer.
Schnell verderbliche Ware (Nr. 2): Lebensmittel mit kurzem Verfallsdatum, frische Blumen, Kühlware.
Entsiegelte Hygiene- und Gesundheitsartikel (Nr. 3): Versiegelte Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet sind, wenn du die Versiegelung entfernt hast. Klassische Beispiele: geöffnete Kosmetik, In-Ear-Kopfhörer mit Hygienesiegel, Erotikartikel, Kontaktlinsen. Wichtig: Ungeöffnet bleibt auch hier das Widerrufsrecht bestehen – erst das Entsiegeln lässt es erlöschen. Und die Verbraucherzentrale betont, dass ein echtes, als solches erkennbares Siegel nötig ist; eine bloße Klarsichtfolie genügt nicht.
Entsiegelte Ton- und Videoaufnahmen sowie Software (Nr. 6): CDs, DVDs, Blu-rays und Computerspiele in versiegelter Verpackung, sobald die Folie oder das Siegel entfernt ist.
Termingebundene Freizeit-Dienstleistungen (Nr. 9): Konzerttickets, Veranstaltungen, Hotelzimmer oder Mietwagen für ein konkretes Datum. Deshalb kannst du Event-Tickets in der Regel nicht widerrufen.
Digitale Inhalte nach Download- oder Streaming-Start: Bei E-Books, Games-Downloads oder Software-Keys erlischt das Widerrufsrecht nach § 356 Abs. 5 BGB, sobald du dem sofortigen Beginn ausdrücklich zugestimmt und deine Kenntnis vom Erlöschen bestätigt hast – das passiert typischerweise per Checkbox im Checkout.
Daneben nennt § 312g Abs. 2 BGB weitere, seltenere Fälle, etwa untrennbar vermischte Waren (das eingebaute Ersatzteil) oder Zeitungen und Zeitschriften.
Häufige Irrtümer: Diese Produkte sind nicht vom Umtausch ausgeschlossen
Hier wird in der Praxis am meisten falsch behauptet – von Shops wie von Käufern:
Unterwäsche und Badebekleidung: Nicht pauschal ausgeschlossen. Die Hygiene-Ausnahme greift nur bei versiegelter Ware nach Entfernen des Siegels. Ein Slip im offenen Polybeutel oder ein Bikini mit Hygieneaufkleber im Schritt ist nicht "versiegelt" im Sinne des Gesetzes – die Anprobe (über der eigenen Wäsche, mit Hygieneschutz) ist erlaubt, und das Widerrufsrecht bleibt bestehen. Laut der Kanzlei Internetrecht Rostock scheitern pauschale Ausschlüsse für Unterwäsche in AGB regelmäßig.
Matratzen: Der prominenteste Irrtum. Der EuGH hat im Urteil vom 27.03.2019 (C-681/17, slewo) entschieden: Eine Matratze ist keine Hygieneware im Sinne der Ausnahme – das Widerrufsrecht bleibt auch bestehen, wenn du die Schutzfolie entfernt und probegelegen hast. Begründung: Matratzen können, wie Kleidung, vom Händler gereinigt und wiederverkauft werden. Möglich bleibt allenfalls Wertersatz bei übermäßiger Nutzung.
Elektronik mit geöffneter Verpackung: Ausgepackt heißt nicht ausgeschlossen. Die zerrissene Umverpackung eines Kopfhörers oder Smartphones beendet das Widerrufsrecht nicht – mehr dazu im Artikel zur Retoure ohne Originalverpackung.
Reduzierte Ware und Sale-Artikel: "Reduzierte Artikel sind vom Umtausch ausgeschlossen" gilt online nicht. Das Widerrufsrecht besteht unabhängig vom Preis – auch für Sale- und Outlet-Ware im regulären Online-Handel.
Hygieneartikel generell: Zahnbürste, Rasierer oder Kosmetik sind nur dann ausgeschlossen, wenn sie versiegelt waren und du das Siegel entfernt hast. Originalverschweißt zurückgeschickt: Widerruf möglich.
Tabelle: Ausgeschlossen vs. fälschlich für ausgeschlossen gehalten
| Wirklich ausgeschlossen (§ 312g Abs. 2 BGB) | Nur scheinbar ausgeschlossen |
|---|---|
| Maßanfertigungen, personalisierte Ware | Unterwäsche ohne entferntes Siegel |
| Schnell verderbliche Lebensmittel, Frischblumen | Badebekleidung mit Hygieneaufkleber |
| Entsiegelte Hygieneartikel (echtes Siegel entfernt) | Matratzen ohne Schutzfolie (EuGH C-681/17) |
| Entsiegelte CDs, DVDs, Software | Elektronik mit geöffneter Verpackung |
| Tickets und termingebundene Freizeitleistungen | Reduzierte und Sale-Artikel |
| Digitale Inhalte nach Download-Start (§ 356 Abs. 5 BGB) | Ware ohne Originalkarton oder Etikett |
Ausschluss oder nur Wertersatz? Nicht verwechseln
Zwei Dinge werden ständig durcheinandergeworfen: der komplette Ausschluss des Widerrufsrechts und der Wertersatz. Beim Ausschluss nach § 312g Abs. 2 BGB kannst du gar nicht widerrufen – der Shop muss die Ware nicht zurücknehmen. Beim Wertersatz nach § 357a BGB bleibt dein Widerrufsrecht dagegen bestehen; der Shop darf nur einen Abzug vornehmen, wenn die Ware durch übermäßigen Umgang an Wert verloren hat.
Beispiel Matratze: Probeliegen ist erlaubt, das Widerrufsrecht bleibt. Schläfst du aber drei Monate darauf und schickst sie dann fleckig zurück, wird ein spürbarer Wertersatz fällig – die Rücknahme selbst darf der Händler trotzdem nicht verweigern. Shops, die stattdessen pauschal "keine Rücknahme" behaupten, vermischen diese beiden Ebenen bewusst oder aus Unkenntnis.
Was gilt in Österreich und der Schweiz?
In Österreich regelt § 18 FAGG die Ausnahmen vom Rücktrittsrecht – die Liste entspricht inhaltlich weitgehend dem deutschen § 312g Abs. 2 BGB, inklusive Maßanfertigungen, verderblicher Ware und entsiegelter Hygieneartikel. In der Schweiz stellt sich die Frage anders: Dort gibt es gar kein gesetzliches Widerrufsrecht beim Online-Kauf, Rückgaben sind reine Kulanz des Shops – der darf dann auch frei festlegen, was er zurücknimmt.
Vorsicht außerdem bei Shops außerhalb der EU: Dort läuft die Durchsetzung deiner Rechte oft ins Leere, selbst wenn sie auf dem Papier bestehen. Was das konkret bedeutet, zeigt unser Artikel zu Retouren aus Nicht-EU-Shops.
So reagierst du auf eine unberechtigte Ablehnung
Lehnt ein Shop deine Retoure mit Verweis auf einen angeblichen Ausschluss ab, frag schriftlich nach der konkreten Rechtsgrundlage: „Auf welche Ausnahme des § 312g Abs. 2 BGB berufen Sie sich?" Auf diese Frage folgt erstaunlich oft – die Erstattung. Kommt sie nicht, gilt der übliche Weg: Frist setzen, Käuferschutz der Zahlungsart nutzen, Erfahrung melden. Was dann Schritt für Schritt zu tun ist, steht im Artikel Shop erstattet nicht?
Vor dem Kauf: Ausschlüsse erkennen
Seriöse Shops kennzeichnen Ausnahmen vom Widerruf transparent in der Widerrufsbelehrung und direkt am Produkt. Wenn ein Shop dagegen pauschal "keine Rücknahme von reduzierter Ware" oder "Unterwäsche grundsätzlich vom Umtausch ausgeschlossen" schreibt, ist das ein Warnsignal für die generelle Retourenfreundlichkeit. Bevor du bestellst, lohnt deshalb ein Blick auf den RetourenScore: In der Shop-Übersicht der RetourenAmpel siehst du für über 540 Shops, wie fair und schnell sie Retouren tatsächlich abwickeln.
Häufige Fragen: Vom Umtausch ausgeschlossen
Darf ein Online-Shop einfach Produkte vom Umtausch ausschließen?
Nein. Die Ausnahmen vom Widerrufsrecht sind in § 312g Abs. 2 BGB abschließend geregelt. AGB-Klauseln, die darüber hinaus Produkte ausschließen – etwa Sale-Artikel oder Unterwäsche generell – sind unwirksam. Der Shop kann nur sein freiwilliges, zusätzliches Rückgaberecht einschränken.
Kann ich Unterwäsche oder Bademode online zurückgeben?
Ja, grundsätzlich schon. Ausgeschlossen ist die Rückgabe nur, wenn die Ware aus Hygienegründen versiegelt war und du dieses Siegel entfernt hast. Ein Hygieneaufkleber zum Anprobieren oder ein offener Polybeutel ist kein solches Siegel.
Sind Matratzen vom Widerruf ausgeschlossen, wenn die Folie ab ist?
Nein. Der EuGH hat 2019 entschieden (C-681/17), dass Matratzen auch nach Entfernen der Schutzfolie zurückgegeben werden dürfen, weil sie gereinigt und wiederverkauft werden können. Bei übermäßiger Nutzung kann der Händler aber Wertersatz verlangen.
Kann ich ein E-Book oder einen Software-Download widerrufen?
Nur solange der Download oder das Streaming noch nicht begonnen hat. Mit deiner ausdrücklichen Zustimmung zum sofortigen Start und der Bestätigung, dass du den Verlust des Widerrufsrechts kennst, erlischt es nach § 356 Abs. 5 BGB.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung. Stand: August 2026.
Quellen
- § 312g Abs. 2 BGB
- § 356 Abs. 5 BGB
- § 18 FAGG
- EuGH, Urteil C-681/17
Manuel Brenner
Gründer von RetourenAmpel, seit 12 Jahren im E-Commerce. Baut mit RetourenAmpel die Datenbasis auf, die zeigt, wie Online-Shops mit Retouren und Erstattungen wirklich umgehen — zur Methodik.
